Die Mehrzahl der Patienten mit Achillessehnentendinose erholt sich vollständig durch eine alleinige Behandlung mit Übung
Nach dem derzeitigen Stand der Untersuchungen ist exzentrisches Üben bei
Achillessehnentendinosen des mittleren Bereiches der Sehne der erfolgversprechendste konservative Therapieansatz.
Bisherige Studien verfolgten die Ergebnisse des Trainings allerdings über einen eher kurzen
Zeitraum (< 1 Jahr). Unklar ist bisher jedoch, welchen langfristigen bzw. nachhaltigen Effekt das exzentrische Üben erwirken kann.
Weiterhin wäre es wünschenswert zu wissen, warum einige Patienten sehr schnell und gut, andere Patienten sehr langsam bzw. gar nicht auf das Training reagieren.
Design: Prospektive Studie, 34 Teilnehmer/-innen, bereits inkludiert in vorheriger Studie zum exzentrischen Training mit 12-wöchiger bis 6-monatiger Dauer.
Evaluation mittels:
- VISA-A-S-Fragebogen (Symptome und deren Auswirkungen auf Aktivitäten)
- PAS-Fragebogen (physisches Aktivitätsniveau)
- Tampa Scale for Kinesiophobia (Bewegungsangst)
- funktionelle Testbatterie – 2 Sprungtests, 2 Krafttests, 1 Ausdauertest
Anschließende statistische Analyse
Ergebnisse:
- 27 Patienten (80%) erholten sich komplett von den initialen Beschwerden, wobei
hiervon 65% gar keine Symptome mehr hatten und 15% zwischenzeitlich erneute
Beschwerden hatten
- 7 Patienten (20%) hatten weiterhin bestehende Beschwerden
- Es gab keine signifikanten Unterschiede bezüglich Geschlecht, Alter und körperlichen Aktivitätsniveau vor dem Beschwerdebeginn
- Je höher die Ausprägung der Kinesiophobie (Bewegungsangst), desto schlechter
waren die Werte bezüglich des Kraftausdauertests für die Wadenmuskulatur
(negative Korrelation).
Schlussfolgerungen:
Der Großteil der Patienten mit mid-portion Achillessehnentendinose profitiert auch
langfristig von dieser Form der Übungsbehandlung mittels exzentrischen Trainings.
Die Gruppe der Teilnehmer mit weiterhin bestehenden Beschwerden ist erst nach 1 Jahr „Therapie“ von denen die keine weiteren Symptome behalten abzugrenzen. Die Autoren schlussfolgern hieraus, dass die bisher gängige Empfehlung nach erfolglosem 12-wöchigen Training andere Therapieoptionen in Erwägung zu ziehen (z.B. operativ, Injektionen), überdacht werden sollte.
Ein Jahr ist hierbei sicherlich ein langer Zeitraum, so dass es hilfreich wäre andere
Indikatoren für Nonresponders (Therapie erzielt keine Verbesserung) zu sondieren.
Es zeigte sich jedoch lediglich eine Tendenz bezüglich des höheren Lebensalters für
schlechtere Ergebnisse (verlangsamte Adaptation der Sehne?).
Interessant sind die Ergebnisse bezüglich der Kinesiophobie, denn Patienten mit
Bewegungsangst/ Angst vor Schmerz bei Belastung zeigten eine schlechtere Erholung.
Klinisch bedeutet dies für uns in der Therapie, dass eine gute Aufklärung über die Pathologie
und die Art des Trainings mit Schmerz essentiell erscheint. Hierbei hat sich aus
zurückliegenden Untersuchungen (z.B. Silbernagel et al. 2007) ein
Schmerzüberwachungsmodell etabliert.
Literatur: MTT Hamburg (www.mtthamburg.de)





